Echter Widderbock/Wespenbock (Clytus arietis)

Der Wespenbock ist ein auffälliger, aber völlig harmloser Bockkäfer. Seine gelb-schwarze Zeichnung imitiert eine Wespe. Diese Tarnung nennt man Mimikry: Ein ungefährliches Tier sieht einem wehrhaften Tier ähnlich und wird dadurch seltener angegriffen. Dazu passt auch sein Verhalten: Er läuft oft schnell und etwas „wespenartig“ über Blüten oder Holzoberflächen. Es war sehr schwer, diesen Flitzer zu fotografieren, weil er in kurzen Intervallen läuft, kurz anhält und dann mit neuer Richtung los flitzt.

In Eutin passt der Fund gut zu naturnahen Gärten, Knicks, Waldrändern, Parks und alten Laubholzbeständen. Wichtig für seine Fortpflanzung sind abgestorbene Äste, altes Laubholz, Holzstapel, alte Obstbäume oder Totholzbereiche. Die Larven entwickeln sich in toten Ästen von Laubbäumen und Sträuchern; zunächst fressen sie unter der Rinde, später bohren sie sich tiefer ins Holz und verpuppen sich dort. Die Generationsdauer beträgt ungefähr zwei Jahre.

Der Woodland Trust beschreibt ihn entsprechend als Käfer, dessen Larven in trockenem Totholz leben, während die erwachsenen Tiere Blütenpollen sammeln.

Die erwachsenen Käfer (auch Imago genannt, also das Bild der Art) leben deutlich kürzer als die Larvenphase. Sie erscheinen im Frühjahr bis Frühsommer, suchen Blüten, fressen Pollen, paaren sich und legen Eier in geeignetes, morsches oder abgestorbenes Holz. Häufig findet man sie auf Doldenblütlern, Weißdorn, an Waldrändern oder in der Nähe von Laubholz-Totholz.

Als Fressfeinde werden vor allem Vögel genannt. Die Wespenzeichnung dürfte deshalb ein Schutzsignal vortäuschen. Die Larven selbst sind eher durch Spechte, andere holzsuchende Tiere und parasitische Insekten gefährdet, auch wenn für diese Art meist allgemein von Totholz-Lebensgemeinschaften gesprochen wird.

Für Schleswig-Holstein ist interessant: In der Roten Liste/Checkliste der Käfer Schleswig-Holsteins wird Clytus arietis mit „“ geführt, also ungefährdet, und mit „mh“, also mäßig häufig; außerdem steht dort der Schutzstatus „§“. Die Legende erklärt „“ als ungefährdet und „mh“ als mäßig häufig. Bockkäfer der Familie Cerambycidae sind in Deutschland grundsätzlich besonders geschützt, soweit nicht ausdrücklich ausgenommen; die Bundesartenschutzverordnung listet „Cerambycidae spp.“ mit Ausnahme u. a. von Hausbock, Monochamus- und Tetropium-Arten.

Praktischer Naturschutz-Tipp: Nicht „aufräumen“, wo es nicht nötig ist: ein paar trockene Laubholzäste, alte Obstbaumteile oder ein geschützter Totholzstapel im Garten helfen solchen Käfern enorm. Der Käfer selbst sollte einfach sitzen gelassen oder vorsichtig ins Grüne gesetzt werden.

Die Nashornkäfer sind auch schon wieder in den Startlöchern.